seit 1913Rosenträume an der Neiße
 

Ostdeutscher RosengartenGeschichte

Die Gründung 1913

„... ein Stück Zaubergarten der Natur; für den, der Augen für die Poesie des Gartens und malerischen Geländes hat, ein intimes Märchenbild märkischen Landschaftsschmuckes, in dessen Mittelpunkt die Königin der Blumen steht - die Rose.“ So lobte das Forster Tageblatt die Rosen- und Gartenausstellung (RUGA) anlässlich ihrer Eröffnung am 14. Juni 1913. In der Tat war die Ausstellung ein voller Erfolg.

RUGA Plakat 1913RUGA Plakat 1913
© Privatarchiv Engwicht

Am Ende der viermonatigen Ausstellung zählte man 350.000 Besucher, und sie galt zeitgleichen Konkurrenzausstellungen in Breslau und Leipzig als überlegen. Im Oktober 1913 kaufte die Stadt Forst die Rosenpflanzungen auf und sicherte damit ihren Bestand. Der „Verein deutscher Rosenfreunde“ stellte das RUGA-Gelände darauf Anfang 1914 unter seinen Ehrenschutz und verlieh ihm den Namen, den die Anlage seitdem trägt: „Ostdeutscher Rosengarten“.

Das Engagement vieler Forster Bürger war damit an seinem Ziel angelangt. Allen voran hatte der Gärtnereibesitzer und Vorsitzende des Forster „Vereins der Gärtner und Gartenfreunde“, Paul Engwicht (1876-1947), seit einigen Jahren die Idee verfolgt, ein ständiges Rosarium in Forst zu schaffen. Die Rose eroberte im 19. Jahrhundert private wie öffentliche Gärten, und an dieser Entwicklung wollte man teilhaben. Umgesetzt werden konnte das Vorhaben schließlich auf dem Gelände des Volksparks, der Anfang des 20. Jahrhunderts auf der Wehrinsel im Süden der Stadt angelegt worden war. Dieser war durch den trockenen Sommer 1911 in seinem Bestand bedroht, auf der Suche nach Lösungsmöglichkeiten hatte sich die Stadt an den Forster Gärtner-Verein gewandt. Eine Ausstellungsleitung wurde berufen.

Alfred BoeseAlfred Boese
© Rosenjahrbuch 1962, VDR, (Archiv)


Die fachliche Leitung der Ausstellungsplanung übernahm der neue Forster Stadtgärtner Alfred Boese (1879-1939), der bis zu seinem Tod für den Rosengarten verantwortlich war.

Das Ausstellungs-Areal gliederte sich in zwei Abschnitte, die eigentliche Wehrinsel und das hinzugepachtete Vorgelände.

Der Wehrinselpark war im Stile eines englischen Landschaftsgartens angelegt, der durch ein geschwungenes Wegesystem und aufgelockerte Baumgruppen als „natürliche“ Landschaft inszeniert wurde.

Die wichtigste Baulichkeit in diesem Park stellte die Wehrinselgaststätte dar. Das schon 1910 errichtete Gebäude mit seiner charakteristischen Fachwerkfassade war fortan für Jahrzehnte ein beliebtes Ausflugslokal. Das Vorgelände prägten die in Jugendstilmanier angelegten, kleinteiligen und geometrisch ausgerichteten Rosenbeete.
Vom sozialpolitischen Engagement der Ausstellungsleitung und Stadtverwaltung zeugten Musteranlagen von Schrebergärten und eines Arbeiter-Wohnhauses.

Schnittblumenschau 1913Schnittblumenschau 1913
© BTM

Zahlreiche gartenarchitektonische Elemente – Skulpturen, Brunnen und Pergolenanlagen – schufen zusätzliche Anziehungspunkte auf dem RUGA-Gelände. Zum Ausstellungsprogramm gehörte v.a. die große Schnittblumenschau, ferner viele Sonderschauen von der Bienenzucht bis hin zur Grabmalkunst.

Ein umfangreiches Begleitprogramm verlieh der RUGA Volksfestcharakter: Dazu gehörten nicht nur die zahlreichen Bierzelte, Kioske und Restaurants, sondern auch ein – ganz in der Mode zeitgenössischer Völkerschauen – errichtetes „Afrikanerdorf“, Ballonfahrten und die Landung des Zeppelins „Hansa“ im August 1913 am Rande des RUGA-Geländes.

1913-1945

Vieles von der Rosen- und Gartenbauausstellung von 1913 hat sich über die Jahrzehnte hinweg, trotz Not- und Kriegszeiten, erhalten. Die meisten Skulpturen gibt es noch, auch wenn heute im Ostdeutschen Rosengarten aus konservatorischen Gründen Repliken stehen. Auch die Pergolenanlagen an den Wasserspielen und auf der Wehrinsel gehen in ihrer Gestalt auf die RUGA zurück.

Wasserspiele 1920Wasserspiele 1920
© Archiv Stadt Forst (Lausitz)

Der glanzvolle Anfang von 1913 stand unter einem dunklen Stern: Während des Ersten Weltkriegs und in den wirtschaftlich schwierigen Jahren der Weimarer Republik wurde es zunächst still um den Ostdeutschen Rosengarten.

Das Vorgelände verwandelte sich während des Krieges in Ackerland, später fand dort eine Baumschule und 1930 schließlich ein Versuchsgarten Platz. Doch schon im Inflationsjahr 1923 und nochmals 1927, zum 25-jährigen Jubiläum des „Vereins der Gärtner und Gartenfreunde", konnten große Schnittrosen- und Neuheitenschauen durchgeführt werden. Ende der zwanziger Jahre nannte der Berliner Rundfunk den Rosengarten den „beliebtesten Ausflugsort vieler Wochenendausflügler“.

Eine neue Blüte erlebte der Rosengarten in den dreißiger Jahren. Nach der Rosenausstellung sowie der Anlage eines Sortiments- und Neuheitengartens 1933 folgte die vielbeachtete „Deutsche Rosenschau 1938“, die 100.000 Besucher anzog. In drei Schnittrosenschauen von Juli bis September stellten wie schon 1913 Züchter aus ganz Deutschland aus. Wie die RUGA bot auch die Rosenschau ein umfangreiches kulturelles Begleitprogramm mit Konzerten und Freilichttheateraufführungen. Daraus gingen die „Rosengartenfestspiele“ hervor, die von 1939 an bis in die Kriegsjahre hinein stattfanden.

Der Nationalsozialismus drückte in jenen Jahren dem Rosengarten seinen Stempel auf. 1936 wurde im Pergolenhof ein Denkmal für Paul v.Hindenburg errichtet, der als Reichspräsident Hitler durch seine Ernennung zum Reichskanzler zur Macht verholfen hatte. Das Denkmal wurde 1943 zu Rüstungszwecken eingeschmolzen.

1945-1990
Wehrinselgaststätte 1950Wehrinselgaststätte 1950
© Archiv des Landkreises Spree-Neiße

Zustand der Wehrinselgaststätte um 1950 (Kreisarchiv Spree-Neiße)Bei den schweren Kämpfen um Forst (Lausitz) in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs wurde auch der Rosengarten weitgehend verwüstet. Aufgrund der allgemeinen Notlage nutzte man das Gelände anfangs, um Gemüse anzupflanzen. In der Wiedererrichtung des Rosengartens zeigte sich der Selbstbehauptungswillen der Stadt.

Unter tatkräftigem Engagement der Bevölkerung gelang es 1953 binnen weniger Monate, die Wehrinselgaststätte für die Feierlichkeiten anlässlich des 40-jährigen Bestehens des Rosengartens von einer Ruine in ein voll funktionsfähiges Restaurant zu verwandeln.

Plakat Rosengartenfestwoche 1953Plakat Rosengartenfestwoche 1953
© Archiv Stadt Forst (Lausitz)

Zur Eröffnung der Rosengartenfestwochen 1953 blühten bereits wieder 20.000 Rosen. Die Festwochen mit den Neuheiten- und Schnittrosenschauen sowie einem umfangreichen Kulturprogramm gehören seitdem zum festen kulturellen Bestandteil der Stadt Forst (Lausitz).

Der Wiederaufbau des Rosengartens erfolgte unter Werner Gottschalk (1920-1995), der von 1947 bis zu seinem Ruhestand 1985 die Geschicke des Rosengartens leitete und ihn zu einer über die Landesgrenzen anerkannten Parkanlage entwickelte. Der wiedergeschaffene Rosengarten war großzügiger gestaltet als die Vorkriegsanlage.

Die straffe Fassung der einzelnen Gartenteile und ihre Begrenzungen durch Hecken und Pappeln verschwanden. Seit dieser Zeit konzentrieren sich die Rosenpflanzungen ausschließlich auf das Vorgelände, dem eigentlichen Rosengarten. Als neuer Bestandteil kam hier 1953 der Heidegarten hinzu. Aus den fünfziger Jahren stammen außerdem die neugestaltete Schillerbühne, die Ausstellungshalle und der Musikpavillon. Moderne Skulpturen, insbesondere Werke des Bildhauers Jürgen von Woyski wie die Kranichgruppe und die Reliefwand im Sichtungsgarten, kamen in den folgenden Jahren hinzu. So entstand in den Nachkriegsjahrzehnten mit dem Rosengarten ein Park, der neben den Pücklerschen Gärten in Branitz und Bad Muskau zu den bedeutendsten Gartenanlagen in der Lausitz zählt.

Schnittrosenschau 1974Schnittrosenschau 1974
© BTM

Die Rosengartenfestwochen entwickelten rasch eine über- regionale Anziehungskraft. Häufig in Verbindung mit anderen Fest- spielen wie den Arbeiterfestspielen abgehalten, erzielten sie in den sechziger Jahren Besucherzahlen von über 100.000 Personen. Zu DDR-Zeiten dauerten die Festwochen rund 10 Tage. Ihr Programm umfasste Konzerte und Theateraufführungen, Sportwett- kämpfe und Ausstellungen, z.B. von Philatelisten.
Feste Programmbestandteile waren in den achtziger Jahren außerdem „Die Nacht der 1.000 Lichter“ und die Abschlussveranstaltung „Ein Rosenstrauß für ...“, in der die Stadt verdienten Bürgern dankte. Um die Festwochen herum fanden zahlreiche weitere Veranstaltungen statt, so die Betriebsfestspiele verschiedener Forster Betriebe.

Seit 1988 wird alljährlich eine Forster Rosenkönigin gewählt.

Seit 1990

Nach der Wende begann die Stadt Forst (Lausitz), umfangreiche Sanierungsarbeiten im Ostdeutschen Rosengarten vorzunehmen. Zum Jubiläumsjahr 1993 erfolgte die Rekonstruktion des Haupteingangs nach den alten Vorlagen von 1913; die Eingangshäuschen wurden in Anlehnung an die im Krieg zerstörten Originale neu erbaut.

Ab 1994 sind nach und nach die alten Brunnen und Skulpturen rekonstruiert worden. Die traditionsreiche Wehrinselgaststätte war allerdings so sanierungsbedürftig geworden, dass eine Erhaltung nicht möglich war; sie wurde im März 1995 abgetragen. In den vergangenen Jahren erfolgte die Sanierung des Pergolenhofes auf der Wehrinsel und des Säulenhofes an den Wasserspielen, so dass der Ostdeutsche Rosengarten zu seinem 90-jährigen Jubiläum 2003 wieder in altem Glanz erstrahlt.



Chronologischer Abriss der jüngsten Geschicht des Ostdeutschen Rosengartens

1993 Beginn Neugestaltung Wegeflächen Rosengarten (bis 1997)

1993 Eröffnung Café an den Wasserspielen

1995 Restaurierung Bärchenbrunnen

1996 Restaurierung Schlangenbrunnen und des Pokals im Teschendorffgarten

1998 Erste Hochzeiten im Rosengarten

1999 Neubau eines Kassenhäuschens am Wehrgraben

2000 Sanierung Kellerräume im Musikpavillon; Rosenhof und Wasserspiele; Beleuchtung; Schillerbühne; Restaurierung der "Urne mit Posament"; Neugestaltung Aussichtspunkte

Ostdeutscher Rosengarten, PergolenhofOstdeutscher Rosengarten,Rosenhof
© Stadt Forst (Lausitz)

2003 90-jähriges Jubiläum; Abschluss Sanierungsarbeiten Pergolenhof nach historischen Vorbild und der Wasserspiele

2003 Erstes Buch über den Ostdeutschen Rosengarten erscheint; Broschüre des Museumsvereins

2004 Offizieller Titel Rosenstadt Forst, verliehen durch den VDR

2004 Neubau der Brücke über den Wehrgraben (Fußgängerbrücke)

2004 Restaurierung der Skulpturen Reliefwand, Mutter mir Kind, Mädchenakt, Vogeltränke, Schlangenbrunnen, Rosenbrunnen, Kranichgruppe

2006 Brandenburgtag in Forst und im Rosengarten

2007 Wiedereingliederung der Reisigwehrinsel in den Rosengarten (jetzt 17 ha)

2007 Neues Infoleitsystem; Wegebau auf der Wehrinsel

2007 Rosengarten im Wettbewerb "Deutschland schönste Parks" unter den 10 ersten platziert

2008 Eröffnung des neuen Veranstaltungszentrums "Rosenflair" mit Gaststätte und Standesamt

2008 Fertigstellung Neubau großes Neißewehr

2009 Auszeichnung des Rosengartens als Deutschland schönster Park

2010 Gründung Europäischer Parkverbund Lausitz “Von Graf Brühl bis Fürst Pückler” am 16. November. Gründungsmitglieder: Muskauer Park/Park Mużakowski, Ostdeutscher Rosengarten, Park und Schloss Branitz, Schlosspark Brody.

2010 Beschluss der Gesellschaft Deutscher Rosenfreunde (GRF) zur Durchführung der "Deutschen Rosenschau" in Forst 2013 (3. Juli in Villingen-Schwenningen)

2011 Beginn der umfangreichen Bauarbeiten zur Deutschen Rosenschau 2013 mit der Umgestaltung des Aussellungsgeländes (April)

2011 1. August - Beginn der Umbauarbeiten der Wehranlagen zum Reisigwehr und Mühlgrabenwehr ca. 3,5 Mill. Euro

2011 Der Rosengarten gehört nach einer Umfrage des Rundfunk Berlin Brandenburg (rbb) zu den 5 beliebtesten Ausflugszielen in Brandenburg

2013 100 Jahre Ostdeutscher Rosengarten - erstmalig nach 75 Jahren wieder eine Deutsche Rosenschau in Forst (Lausitz)